In der Aula statt in der Kapelle (Quotidiana vom 3.3.2026)
Am Sonntag hat in Ilanz ein spezielles Kirchenfest stattgefunden. Jedoch nicht in der katholischen oder reformierten Kirche. Auch nicht im Kloster. Aber in der Aula der Schule.
„Mein Ziel ist es, die Ohren offen zu halten und Raum für Begegnungen zu lassen“, hat der neue Pfarrer in seiner Predigt gesagt. Kurs vorher haben Abgeordnete von zwei Kirchen, der Mutterkirche von Emmen im Kanton Luzern, und der Schwester-Gemeinde von Thusis David Rivera Grüsse und Glückwünsche überbracht. Jener hat am 1.März sein Amt in Ilanz angetreten. Er ist der Nachfolger der FEG und von Hansjörg Sprenger. Wie die FMR in ihrer Ausgabe vom 26.1.26 berichtet hat, geht jener nach 16 Jahren in Pension. Die FMR ist zum Installationsfest eingeladen worden.
Fast wie eine neuartige Messe
In den katholischen Kirchen ist die Installation eines Pfarrers ein Ereignis, das nicht häufig stattfindet. Das Gleiche auch in der Reformierten. In der Surselva war dies jedoch bei denen mit der Messe und denen mit der Predigt jeweils ein grosses Ereignis. Auch in einer kleineren christlichen Gemeinde kommt es nicht häufig vor. Im Saal der FEG, der ehemaligen Hildegardkappelle der Dominikanerinnen, hätte es nicht genug Platz für alle gehabt. Dort finden sich üblicherweise jeden Sonntag 50 bis 60 Personen ein. Im Hinblick auf das Fest hat der Vorstand der Gemeinde beschlossen, den Gottesdienst in die Aula Ilanz zu verlegen. „Wir haben mit maximal 120 Personen und nicht mit 200 gerechnet“, erzählt Hansjörg Sprenger. Er ist froh, dass er einen Nachfolger gefunden hat. „Diese Freude wollen wir mit den Gästen, die wir eingeladen haben, teilen“, hat der Pfarrer Ende Januar mitgeteilt. Dass so viele teilnehmen würden, hätte er nicht gedacht. In der vollen Aula hat Hansjörg Sprenger seinem Nachfolger den Hirtenstab ohne formelle Zeremonie übergeben.
Ein Wachstum und eine Prüfung
Die kleine Gemeinde, die Hansjörg 1994 übernommen hat, ist recht gewachsen. Die Hälfte der Teilnehmer der Installation seien Gemeindeeigene, die andere Hälfte Gäste aus der Umgebung gewesen, so der Pfarrer. Sein Nachfolger ist nach Ilanz gekommen, um seine neue Gemeinde zu treffen. David Rivera wohnt mit seiner Familie in Buchs SG. Der 59-Jährige stammt aus Barraquilla, eine Stadt im Norden von Kolumbien. Er hat Theologie studiert und wohnt seit 1998 in der Schweiz. In seiner Predigt hat er von dunklen Zeiten seines Lebens und tiefen Glaubenszweifeln erzählt. Die Familie hat vor 8 Jahren die 18-jährige älteste Tochter durch einen tragischen Verkehrsunfall verloren. Nach einem Prozess des Schmerzes habe er eine unglaubliche Lebendigkeit, die seine Beziehung zu Gott erneuert habe, empfunden, hat der Theolog verraten. Diese Erfahrung sei eine bittere und harte Prüfung gewesen, die er kaum bestanden habe. Die heilige Schrift und das Lesen der Bibel haben seinem Glauben wieder Vertrauen und Kraft verleiht, hat der Pfarrer in seiner Predigt verständlich gemacht.